Grohe Objektreportagen
Grohe Objekt Spezial 04
Architekturlösungen im Wohnungsbau

Architekturlösungen im Wohnungsbau

1. PHED PASSIVHAUS, BERLIN

Das Projekt „Passivhaus Engeldamm, a signature Building“, entstand aus einer Initiative der Stiftung Edith Maryon, Basel und scarchitekten aus Berlin. Am ehemaligen Grenzstreifen zwischen Berlin-Mitte und Kreuzberg, erwarb die Stiftung ein markantes Eckgrundstück. Ziel war es, ein zentral gelegenes innerstädtisches Grundstück aus dem Waren- und Erbstrom herauszulösen und sozialverträglich und ökologisch zu nutzen. 2012 gewann das Projekt den erstmalig ausgelobten BDA Publikumspreis.

Projekt I PHED, Passivhaus Engeldamm, Berlin; Bauherr I Stiftung Edith Maryon, Basel; Architekt I scarchitekten, Berlin; Fertigstellung I 2012; Bruttogeschossfläche I 2.550 qm; Bruttorauminhalt I 7.920 qm; GROHE Produkte I Küchenarmatur Minta

Der Zugang zu allen Wohnungen erfolgt vom Bürgersteig bis zur Dachterrasse schwellenlos

scarchitekten rund um Joerg Springer und Robert Mieth ist ein Berliner Architektur- und Designbüro, das zeitgenössische Lösungen von Markenbildung bis zur gebauten Umgebung anbietet. Die Architekten nähern sich Design als einem strategischen Prozess und wollen mit originellen, intellektuellen und sensiblen Erscheinungsbildern eine unverwechselbare Antwort auf die jeweilige architektonische Frage finden.

Joerg Springer und Robert Mieth, scarchitekten, Berlin

Die Architekten schufen einen bewohnbaren Rohbau in Passivhausstandard. Der Kontrast zwischen Rauheit und Präzision steht in direktem Bezug zum Projektnamen PHED, thailändisch für "diamant, scharf". Wie aus einem monolithischen Betonblock gehauen, dessen Oberfl äche mit mehr als nur den technisch erforderlichen Fertigteilfugen versehen ist, markiert das Gebäude die Ecke und den Blockrand. Die Außenplattform der Wohnungen, als skulpturale plastische Form, ragt in den Straßenraum hinein, die eigentliche Fassade ist verglast und weicht einen Meter von der Grundstücksgrenze zurück. Auf diese Weise entsteht eine Verbindung zwischen außen und innen. Das Gebäude beginnt erst hinter der Grundstücksgrenze. Der verlorene Meter kommt den Balkonen zugute und bildet im obersten Geschoss eine stadtplanerisch gewünschte Staffelung ohne als Staffelung in Erscheinung zu treten. Die Gebäudehülle besteht auch hier aus Glas, bündig in alle angrenzenden Bauteile eingelassen. Die den städtebaulichen Anforderungen geschuldete Baufl ucht wird durch eine Gaze aus einem Edelstahlnetz realisiert. Dieser „städtebauliche Vorhang“ auf der Grundstückgrenze wechselt je nach Lichteinfall und Perspektive sein Erscheinungsbild, von völliger Transparenz bis hin zu Geschlossenheit. Dabei nimmt er die Proportion schwebender Rahmen auf, die an die Fassadenstruktur typischer Gründerzeitgebäude erinnern. Über eine Wölbung in der Gaze wird die Hofdurchfahrt erschlossen. Als Eingang des Gebäudes kann sie von allen Mietern als Veranstaltungs- und Ausstellungsraum genutzt werden. Im Inneren sind die Grundrisse rund um einen zentralen Kubus organisiert. Einzelne Wandscheiben zonieren die Flächen, um funktionalen Anforderungen gerecht zu werden. Raumhohe Türen unterstreichen den offenen Charakter der Wohnungen und stellen den Kubus optisch frei.

Der Vorhang aus Edelstahl wechselt je nach Lichteinfall und Perspektive sein Erscheinungsbild

Die Stiftung Edith Maryon
Immobilien können auch ein soziales Gut sein. Grund und Boden ist nicht vermehrbar, und die Frage nach der Art der Bodennutzung ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Zudem wirken Gebäude stets in die Gesellschaft, in den öffentlichen Raum hinein, und dies in aller Regel auf lange Zeit, wenn nicht gar über Generationen hinweg. Hier setzt die gemeinnützige Stiftung Edith Maryon zur Förderung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten an. Sie wurde 1990 aus einem Kreis junger Menschen heraus gegründet, die zuvor mehrere Jahre lang über soziale Grundsatzfragen nachgedacht und diskutiert haben. Aus diesen Gesprächen wuchs das Bedürfnis, die entwickelten Ideen praktisch zu erproben. Sie betrachten es als ihre Aufgabe, im Dialog mit Eigentümern und Nutzern Grund und Boden aus dem Waren- und Erbstrom herauszulösen, damit dieser der Spekulation entzogen und somit dauerhaft und immer ieder neu für Vorhaben, die der Gesellschaft dienen, verfügbar wird. Das übergeordnete Ziel – zur dauerhaften Absicherung sozialer Wohn- und Arbeitsstätten – ist jeweils die Entschuldung des Bodens. Weitere soziale Ziele sind die Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten, die Förderung des sozialen Zusammenlebens von Jung und Alt, Familien und Singles, behinderten und nicht behinderten Menschen etc., die Stärkung von Eigenverantwortung und Selbstverwaltung sowie die Förderung einer lebendigen, qualitätsvollen Architektur einschließlich ökologischer Bauweisen, in der sich die Menschen als einzelne und soziale Individuen wohlfühlen.

Als Basis eines gemeinschaftlichen Zusammenlebens soll eine Hausgemeinschaft etabliert werden

 

2. PLATTENBAU OLEANDERWEG, HALLE (SAALE)

Stadtumbau ist für viele Bewohner Halles ein fester Begriff geworden. Schrumpfende Bevölkerung und eine veränderte Altersstruktur stellen die Stadt in allen Lebensbereichen vor große Herausforderungen, nicht nur bei der Bekämpfung des Wohnungsleerstandes. Stefan Forster Architekten gewannen im IBAWorkshopverfahren 2003 den 1. Preis für das modellhafte Konzept des Umbaus eines 5-geschossigen Plattenbaus von 1971 zu einem modernen, familienfreundlichen Wohngebäude.

Projekt I Plattenbau Oleanderweg, Halle (Saale); Bauherr I GWG Gesellschaft für Wohn- und Gewerbeimmobilien Halle-Neustadt mbH, Halle (Saale); Architekt I Stefan Forster Architekten, Frankfurt am Main; Workshopverfahren I 1. Preis, 2003; Fertigstellung I 2010; Baujahr Plattenbau I 1971; Grundstücksfläche I 5.673 qm; Geschosse I 5; GROHE Produkte I WT Concetto, Duschthermostat Grohtherm 1000, Brause Tempesta, Vorwandinstallation Rapid SL

Gebäude wurde in seiner Länge reduziert, in den oberen Geschossen durch Rückstaffelung gegliedert und seine Außenräume durch halböffentliche Eingangsbereiche differenziert

 

3. MÄRKISCHES VIERTEL, BERLIN

Seit 2008 baut die GESOBAU das Märkische Viertel zu einer Niedrigenergiesiedlung um. Die Wohnhäuser sind baulich in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen an Energieeffi zienz. Darüber hinaus verlangen die gesellschaftlichen Veränderungen – insbesondere die Alterung der Gesellschaft – nach adäquaten Antworten. Im Interview erläutert Georg Unger, Leiter Technik der GESOBAU in Berlin, die Maßnahmen und Ziele des aktuellen Modernisierungskonzepts im Märkischen Viertel.

Projekt I Märkisches Viertel, Wohnanlage 907, Berlin; Bauherr I GESOBAU AG, Berlin; Architekten I René Gagès und Volker Theißen; Bauzeit I 1965 bis 1968; Modernisierungszeitraum I 2010 bis 2011; Anzahl der Wohnungen I 977; GROHE Produkt I WT Eurostyle, WT Eurosmart Cosmopolitan, Brause Tempesta

Das 6- bis 18-geschossige Gebäude wurde als 3- bis 5-Spänner in Fertigteilbauweise mit tragenden Querwänden ausgeführt

 

4. ELBSCHLOSSRESIDENZ, HAMBURG

Nah der Elbe gelegen, auf dem historischem Gelände der ehemaligen „Kulmbacher Bierbrauerei“ gebaut, befindet sich die Hamburger Elbschloss-Residenz. feddersenarchitekten aus Berlin verwandelten eine ehemalige Pflegestation in exklusive Appartements für betreutes Wohnen.

Das Gebäude beherbergt nun 16 Wohnungen und sechs Appartements

Schon der Blick auf die Fassade lässt den Wandel erkennen: Geräumige Balkone sind den Appartements vorgelagert. Großzügigkeit und Komfort kennzeichnen auch das lichtdurchflutete Innere. Helle Treppenhäuser und Flure führen zu großzügig geschnittenen Wohnungen. Statt zusätzlicher Flurflächen stellen an der Fensterfront gelegene Durchgänge raumübergreifende Zimmerfolgen her. Bei Bedarf sorgen Schiebetüren für die nötige Privatheit. Alle Wohnungen sind schwellenfrei und mit breiten Türen versehen. Durchdachte Einbauküchen und Wandschränke bieten Stauraum und erleichtern so den Alltag. Besondere Aufmerksamkeit liegt auf der Gestaltung der Badezimmer, die unmittelbar neben den Schlafzimmern liegen. Großformatige Fliesen in gedeckten Farben lassen eine gediegene Wohlfühlatmosphäre aufkommen. Die bodengleichen Duschen und ein abgestimmtes Beleuchtungskonzept sorgen für zusätzlichen Komfort.

 

5. HAUS AN DER ODER

Die Berliner Architektin Beate Kling entwarf ein modernes Gebäudeensemble für eine Familie, das in exponierter Lage an der Oder erreichtet wurde. Das Grundstück befi ndet sich auf einer Halbinsel, die in einen Regulierungsarm des Flusses ragt.

Zur Wasserseite öffnet sich das Gebäude großzügig

Charakteristisch für das in der Tradition der klassischen Moderne entworfene Gebäude ist die Vereinigung aller Funktionen unter einem Dach unter Einbeziehung der grandiosen, mitunter sehr rau anmutenden Landschaft. Sie ist vom Grundstück und aus dem Gebäude heraus kilometerweit einsichtig. Der Durchgang zieht sie vom rückwärtigen, zur Landschaft hin orientierten Garten zum straßenseitigen Grundstücksteil. Dabei wird die Landschaft gleichsam wie in einem Passepartout gerahmt und so Bestandteil des Gebäudes. Das Gebäude selbst gibt sich zur straßenseitig liegenden Siedlung nahezu komplett verschlossen und öffnet sich dafür wasserseitig umso großzügiger. Im Inneren des Gebäudes gehen die Funktionsabfolgen fl ießend ineinander über, Räume werden durch Einschnitte, Verengungen und Ausweitungen geformt. So wird zum Eingang entlang einer Rundung geführt, die Südterrasse ist in das Gebäude integriert, dadurch überdacht und für den Essbereich raumbildend. Türen gibt es nur zu den Rückzugsbereichen und zur Technik.

Beinahe türenlos gehen die einzelnen Funktionen des Gebäude ineinander über