Grohe Objektreportagen
Grohe Objekt Spezial 13
Architekturlösungen im Wohnungsbau

Architekturlösungen im Wohnungsbau

 

LIVING CIRCLE, DÜSSELDORF

Als das derzeit größte Umnutzungsprojekt in Deutschland findet das Living Circle in Düsseldorf viel Aufmerksamkeit, gekrönt durch die Auszeichnung mit dem Deutschen Bauherrenpreis 2018 und dem Immobilien-Award in der Kategorie Projektentwicklung Bestand 2017.

Objekt I Living Circle, Düsseldorf; Bauherr I Bauwert CA Grafenberger Allee GmbH, Bad Kötzing; Architekten I Konrath und Wennemar Architekten Ingenieure; Projektleitung I Rüdiger Schmidt; Projektentwicklung I Bauwert CA GÜ Verwaltungsgesellschaft; Endinvestor I Industria Wohnen; BGF I 42.140 m² oberirdisch; NGF I ca. 32.500 m² oberirdisch; Planungsbeginn I 2013; Baubeginn I Januar 2015; Fertigstellung I April 2017; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur BauEdge, Wannen- und Brausearmatur BauEdge, Küchenarmatur Concetto

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Bauherrenpreis 2018 und dem Immobilien-Award 2017: Mit der Kombination der Themen Umnutzung und bezahlbarer Wohnungsbau gilt Living Circle als Düsseldorfer Leuchtturmprojekt. Die Architekten Konrath und Wennemar lieferten den Nachweis der Machbarkeit und konnten damit einem einzigartigen Wohnquartier, das anfangs mit Skepsis betrachtet wurde, den Weg bahnen.

Umnutzung allein ist in der Immobilienbranche schon eine Schlagzeile wert – in diesem Fall galt es darüber hinaus, die komplexen Kreisgeometrien des Bestands zu bewältigen. Der erfolgreiche Umbau des früheren Bürogebäudes Thyssen Trade Centre zum neuen Wohnquartier ist auch das Ergebnis einer besonders guten Abstimmung zwischen Projektentwicklern, Investoren und Architekten. Nach vier Jahren Leerstand sind durch den Projektentwickler und Bauherrn BAUWERT AG auf einer Grundstücksfläche von 21.500 Quadratmetern 340 neue „bezahlbare“ Wohnungen, eine dreizügige Kita und eine Einzelhandelsfläche entstanden.

Das Quartier bietet mit Wohnungen, einer Kita mit Außenbereich und Nahversorgung einen attraktiven Mix in dem immer noch von Gewerbe bestimmten Gebiet von Düsseldorf.

 

DARNAUTGASSE 12, WIEN

Als eine der lebenswertesten Städte der Welt schafft Wien etwas, das wenige andere Top-Metropolen bieten können: bezahlbaren Wohnraum – und dies mit hoher Lebensqualität, nachhaltigen Technologien und sozialer Ausgewogenheit. Die hohen Investitionen der Stadt in den Wohnbau führen allerdings auch eine starke Reglementierung mit sich. Das Architekturbüro Froetscher Lichtenwagner hat mit dem Wohnbau-Projekt Darnautgasse 12 gezeigt, wie sich in diesem eng gesteckten Feld trotzdem Gestaltungsfreiheiten finden lassen, die das soziale Miteinander noch unterstützen.

Objekt I „Gemeinschaftliches Wohnen“, Wien 12, Darnautgasse; Auftraggeber I EISENHOF Gemeinn. Wohnungsgesellschaft mbH; Architekten I FROETSCHER LICHTENWAGNER Architekten, Wien; Wettbewerb I 1. Preis im zweistufigen Bauträgerwettbewerb 2013; Nutzungen I 58 Wohnungen (davon 5 WGs), 2 sozialpädagogische WGs und ein Eltern-Kind-Zentrum der MA11; BGF I ca. 9.580 m²; Geförderte Fläche I 5.385 m²; Baubeginn I April 2015; Fertigstellung I Oktober 2016; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Eurosmart

Sozialer Wohnungsbau in Wien gilt in ganz Europa als vorbildlich. Nirgendwo sonst wird so viel investiert. Der Neubau
in der Darnautgasse 12 bietet geförderte Wohnungen, zwei sozialpädagogische WGs und ein Eltern-Kind-Zentrum. Für dieses stark sozial orientierte Konzept erhielten die Architekten eine der drei „special mentions“ des Matilde Baffa Ugo Rivolta European Architecture Award 2017.

Auch in Wien ist es trotz der guten Förder-Politik nicht einfach, günstigen Wohnbau anzubieten. Steigende technische Anforderungen und eine hohe Nachfrage sorgen auch hier für Teuerung. Die Aufgabenstellungen der Auslobungen sind daher eng gesetzt – Raum für Innovation hat keine Priorität.
Besonders die Grundrissplanung von Wohnungen lässt kaum Spielraum.

Freiraum schaffen – Darnautgasse 12
Im Wettbewerb „Gemeinschaftliches Wohnen Darnautgasse“ ging es für die Architekten von Froetscher Lichtenwagner daher stark um die Frage, wie dieser enge Spielraum in einemklassischen geförderten Wohnbau-Projekt mit 58 Wohneinheiten ausgedehnt werden könnte. Ausgehend von der räumlichen Schichtung des Bauplatzes aus öffentlichem Raum, Vorgarten, Gebäude und Innenhof entstand die Idee, diese Schichten mit einem nutzungsoffenen Raum zu durchdringen – einem „Möglichkeitsraum“, in dem die unterschiedlichen Bewohner und Gäste des Hauses zusammenkommen können. Dieser Raum bietet Platz für Werkstatt- und Atelierarbeiten, für Sport und Spiele und dient als Treffpunkt und Kommunikationsort. Dinge, für die im Wohnzimmer kein Platz ist. Daher wurde der Möglichkeitsraum nach dem Prinzip „Garage“ entwickelt.

Nach außen wurde der Boden verlängert und eine Pergolakonstruktion angebracht. Die primitive Ausstattung im Stile „low cost/low tech“ lässt vielfältige  Nutzungsmöglichkeiten zu und soll dazu animieren, den Raum in Besitz zu nehmen. Wie bei einer Garage lassen sich die Tore hochfahren und Aktivitäten auch nach außen verlagern. Damit der Möglichkeitsraum in der Darnautgasse eine feste Nutzungsstruktur und Auslastung erhält, moderierte eine Soziologin den
einjährigen Prozess der Inbesitznahme durch die Bewohner.

„Wohnen in Gemeinschaft“
Das Generalthema des Bauträger-Wettbewerbs 2013 bedeutete konkret, dass neben den geförderten Wohnungen zwei sozialpädagogische Wohngemeinschaften für Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren sowie ein Eltern-Kind-Zentrum zu integrieren waren. Da bereits zwei große WG-Einrichtungen
vorgegeben waren, wurde ein ganzer Gebäudeteil zum WG-Haus erklärt, in dem drei weitere freie Wohngemeinschaften eingeplant wurden. Alle verfügen über große Balkone oder Terrassen.
Der ehemalige Vorgarten wurde zu einem Parcours umgewidmet, einer Aktions- und Bewegungsfläche für die Kinder und Jugendlichen der sozialpädagogischen WGs, die hier auch mal laut sein dürfen. Mit einem EPDM-Belag ist er für die intensive Nutzung ausgelegt. Das Eltern-Kind-Zentrum, eine niedrigschwellige Einrichtung der Stadt Wien, beansprucht das gesamte Erdgeschoss des anderen Gebäudeteils, über dem sich die klassischen Wohnungen befinden. Die Besucher empfängt ein großzügiger Eingangsbereich. Zur Abgrenzung der Büro- und Beratungszimmer wurde eine raumhohe Regalwand eingebaut – diese bietet nicht nur Stauraum für das Zentrum, sondern verbirgt auch die Sanitärschächte der darüber liegenden Wohnungen.
Die Planung der Wohnungen war vor allem hinsichtlich ihrer Orientierung zur verkehrsintensiven Wienerbergstraße problematisch: Daher wurden in diesem Trakt nur durchgestreckte Einheiten vorgesehen, deren Schlafzimmer zumindest zur ruhigen Innenhof-Seite gelegt werden konnten. Nur für die Eckwohnungen war eine eigene Lösung nötig: Statt Balkonen wurden hier verglaste Loggien eingerichtet, die Schlafräume sind zur ruhigeren Darnautgasse ausgerichtet.

Laubengangfassade
Im Gebäudeteil zur Darnautgasse handelt es sich um Laubengangwohnungen, die zum Garten orientiert sind. Die Laubengangfassade an dieser Seite war erforderlich aufgrund der geringen Trakttiefe zu der emissionsreichen Straßenecke: „Die dadurch entstehende starke Horizontalität der Gänge und Geländer haben wir mit einer transluzenten Fassade aus Doppelstahlmatten abgemildert, um so ein einheitliches architektonisches Element zu schaffen“, erläutert Christian
Lichtenwagner die Lösung des Büros. Der kreisrunde Ausschnitt gibt den Blick von innen und außen frei. Das weiß beschichtete Gitter hebt sich vom deutlich dunkleren Hintergrund ab. Für den Betrachter ergeben sich je nach Blickwinkel wechselnde räumliche Eindrücke: Mal ist die Fassade durchlässig, mal kaum
vorhanden, oder sie erscheint geschlossen, fast wie eine Putzfassade.

Was macht guten Wohnbau aus?
Christian Lichtenwagner: „Aufgrund der hohen Vorgaben an die Wohnungen endet hinter der Wohnungstür eigentlich schon der Einfluss des Planers. Als Architekten müssen wir Wohnbau vor allem im Kontext als Städtebau verstehen. Es geht um die Integration unterschiedlicher Bedürfnisse und unterschiedlichen Wohnverhaltens. Das Zusammenspiel der Wohnungen untereinander und des Gebäudes in seiner Nachbarschaft – darin zeigt sich die Qualität des Wohnungsbaus.“

Das Grundrisskonzept des Gebäudes mit Laubengang baut darauf auf, die Aufenthalts- und Schlafräume sowie Balkone zum ruhigen Innenhof mit Garten zu orientieren

 

DENNEWITZ EINS, BERLIN

Eine Szene in einer der vielen in Berlin angesiedelten Krimiserien: Der Kommissar – Typ Lonely Wolf – sitzt in einem spitz zulaufenden Raum sinnierend am Tisch. Darüber hinaus ist das Zimmer spärlich ausgestattet. Die Sichtbetonwände fügen sich bestens in die grau-ernste Grundstimmung. Vorm Szenenwechsel erhascht der Blick des Zuschauers gerade noch die Brücke unmittelbar vor dem Fenster, über die eine U-Bahn rumpelt und gleich danach im Nachbarhaus verschwindet.

Ja, im Nachbarhaus, denn die Szene spielt in der Dennewitz Eins, einem Wohnhaus, das direkt neben der Trasse der U1 liegt, die an dieser Stelle durch das Nachbarhaus hindurchgeführt wird. Die 39 Mitglieder einer Baugruppe hat das nicht geschreckt, als sie sich 2009 entschieden, in die Umbruchgegend zwischen Gleisdreieckpark und Potsdamer Straße zu ziehen. Von den 14 über das Netzwerk Berliner Baugruppen Architekten (NBBA) angefragten Büros waren nur drei so mutig, die Herausforderung anzunehmen: DMSW architektur und landschaft, roedig . schop und sieglundalbert reizte das „Problemgrundstück“. Der Zusammenschluss zu einer Arbeitsgemeinschaft verteilte das Risiko auf ausreichend viele Schultern.

Objekt I Wohnhaus für eine Baugruppe, Dennewitzstraße 1, Pohlstraße 1-3, Berlin; 39 Wohnungen in einem dreiteiligen Neubau; Bauherr I DENNEWITZEINS GbR; Auszeichnungen I KfW-Award 2016 – 1. Platz, Preisträger Deutscher Bauherrenpreis 2016, Kategorie Neubau; Fläche I 2.275 m² Grundstück, 4.447 m² Wohn- und Gewerbefläche; Planung und Ausführung I 2010; Fertigstellung I 2013; Baukosten I 2.078 €/m² („veredelter Rohbau“); GROHE-Produkte I Waschtischarmaturen Eurosmart C, Essence, Lineare, Betätigungsplatten Skate Cosmo und Nova Cosmo, Vorwandinstallation Rapid SL

Die Südfassade mit den tief eingeschnittenen Loggien. Nach Osten blieb der Block geöffnet; so fällt die Sonne in den Gartenhof.

Lage
Zu Projektbeginn befand sich der Kiez – weder Niemandsland noch Hot Spot – in Abwartehaltung. Der gegenüberliegende Gleisdreieckpark versprach eine  wirkliche Attraktivität zu werden, die Lage ist zentral und dennoch „zweite Reihe“, ringsum entstanden und entstehen mal mehr, mal weniger ambitionierte Stadtbausteine. Die Planer nahmen sich für die Analyse des Orts und seiner Möglichkeiten ein halbes Jahr Zeit.

Projektplanung und Rollenverteilung
Dann diskutierten sie Ziele und Rahmenbedingungen des gesamten Vorhabens und bestimmten Parameter wie die Positionierung des Gebäudes, die Tragstruktur, die Lage der Schächte sowie Kosten von 2.000 Euro pro Quadratmeter. Innerhalb dieser Festlegungen blieb Spielraum für individuelle Wohnungsgestaltungen. Außerdem trennten sich die Büros zunächst wieder, um je ein Haus zu entwerfen. Sie waren sich aber einig, es in ein gemeinsames Kleid zu hüllen und dadurch wie einen Stadtbaustein wirken zu lassen. Eine kluge Entscheidung, da das heterogene Umfeld klare Akzente gut verkraftet, ja benötigt. In der Ausführungsphase fand erneut ein Rollenwechsel statt, jetzt wurden die Aufgaben gewerkeweise untereinander aufgeteilt. Das sorgte für sowohl niedrigere Kosten als auch klare Ansprechpartner. Letzteres war außerordentlich hilfreich für die komplexe Kommunikation, wie sie in Baugruppen stattfindet. Das Dreierteam trat immer mit einer Stimme auf, was allen Beteiligten Sicherheit vermittelte. Der büroübergreifende Dialog wurde zu einer echten Bereicherung, sagt Julia Dahlhaus, die DMSW vertrat. Gesunder Abstand entstand durch die Beauftragung einer externen Bauleitung und eines neutralen Projektsteuerers.

Die Bewohner konnten entscheiden, ob sie – wie hier – die Decke oder auch die Wandflächen als Sichtbetonoberfläche belassen wollten.

Statische Herausforderung
Die eingangs geschilderte Szene spielt im östlichen Kopf des langen, schmalen Gebäudes. Es hat drei Aufgänge und ist vom U-Bahn-Haus durch einen Gartenhof getrennt. Eine weitere Zeitschicht bringt am südlichen Grundstücksrand eine Zeile flacher Backstein-Gewölbebauten mit Handwerksbetrieben und Ateliers in das Ensemble. Die Erschütterungen der U-Bahnen waren eine echte statische Herausforderung: Eine elastische Bodenplatte federt die Schwingungen ab; Keller konnten nicht gebaut werden. Die Bewohner müssen dennoch nicht auf Stauraum verzichten: Ersatz entstand in Form kleiner Kabinen auf dem Dach, das für alle zugänglich ist und um die luftigen Keller herum ausreichend Platz zur Entspannung und zum Feiern inklusive eines abwechslungsreichen Rundumblicks lässt.

Gebäudehülle
Die relativ lange Fassadenabwicklung wird im Süden durch tiefe Loggien, im Norden mit frei gesetzten Fenstern aufgelockert. Über die Anordnung der straßenseitigen Fensterkonnten die Bewohner je nach Nutzung der dahinterliegenden Räume selbst entscheiden. Ein zu unruhiges Gesamtbild vermeidet die durchgängige Gebäudehülle, ein je nach Lichtsituation zwischen Gold und Beige changierender Gitterrost, der sich bis über die Attika zieht. Bei allen Vorzügen,
die das einheitliche Kleid hat, wirkt es doch seltsam unentschlossen. Die Maschen des Rosts sind weder weit noch eng. Die durchscheinenden  Befestigungsstangen legen zwar die Konstruktionsweise offen, folgen aber in ihrer Anordnung keinem erkennbaren Muster.

Vom östlichen Kopf des Gebäudes geht der Blick auf den Gleisdreieckpark und die Trasse der U-Bahn-Linie 1.

Innenleben
Im Inneren von Haus A, das von DMSW entworfen wurde, empfängt einen ein ungewöhnlich schönes Treppenhaus aus Fertigbetonteilen, das sich, zentral platziert, elegant nach oben schraubt. Das schlichte Geländer nimmt den Schwung auf. Die Treppe verschwindet nicht etwa im Dunklen, sondern erhält durch ein Dachfenster Licht von oben. Auf jeder Etage sind zwei Wohnungen angeordnet, die je nach Lage von zwei oder sogar drei Seiten belichtet werden. In den meisten Wohnungen steckt zentral ein Versorgungskern. Die Räume gruppieren sich je nach Vorliebe der Bewohner mal fließend-offen, mal eher konventionell  aufgeteilt um den Kern herum. Außerdem gibt es ein „Wechselzimmer“, das durch Verschieben der Trennwand der einen oder der anderen Wohnung zugeteilt  werden kann. Der  Gleisdreieckpark hat sein Versprechen gehalten und ist zu einer echten Bereicherung geworden. Im Kiez wird weiterhin fleißig gebaut. Und nach wie vor queren  täglich 444 U-Bahnen das Nachbarhaus. Die Bewohner der Dennewitz Eins, die 2013 hier eingezogen sind, fühlen sich in ihrer Lebensqualität dadurch keineswegs beeinträchtigt.

(li.) Der Balkon im 5. Stock des östlichen Kopfbaus. Aus der Nähe ist die Gitterstruktur des Fassadenkleids gut erkennbar.
(re.) Die Raumaufteilung um einen zentralen Kern herum konnten die Bewohner nach ihren Bedürfnissen vornehmen.

 

HALLO, DARF ICH MICH VORSTELLEN? ICH BIN CABIN SPACEY.

Nach ungefähr dreieinhalb Jahren der Ideenfindung und Projektentwicklung war es im Juni 2018 so weit: Auf der Tech Open Air in Berlin wurde das erste Minimalhaus von CABIN SPACEY präsentiert – hergestellt im Werk des Allgäuer Holzbauers VARIAHOME Manufaktur. Für das Team um Andreas Rauch und Simon Becker steht nun der Schritt vom Start-up mit Crowdfunding-Finanzierung hin zum selbstfinanzierten Anbieter von Kleinsthäusern an. Langfristig streben die Gründer die Vermietung eigener Cabins an. Größte Hürde: die Akquirierung geeigneter Pachtflächen in der Großstadt.

Objekt I CABIN SPACEY, Prototyp; Bauherr/Architekten I CABIN SPACEY GmbH, Andreas Rauch, Simon Becker; Fläche I 25 – 30 m²; Ausführung I VARIAHOME Manufaktur, Wangen im Allgäu; Fertigstellung Prototyp I Juni 2018; GROHE-Produkte I Küchenarmatur GROHE Red Duo, Spülmittelspender Cosmopolitan, Waschtischarmatur Essence, Brausebatterie Grohtherm 3000 C, UP-Thermostat Rapido T, Brause Rainshower Cosmopolitan, Accessoires, Vorwandinstallation Rapid SL, Betätigungsplatte Skate Cosmopolitan

Von der Eingangstür in der hinteren Giebelwand blickt man wie durch ein Fernrohr durch den Gang in den Wohnraum hinein und bis zum großen Giebelfenster. Rechts neben der Badezimmertür befindet sich ein Smart Mirror, der als Infozentrale dient und die wichtigsten digitalen Dienste anzeigt. Direkt daneben findet sich die Steuerungszentrale: ein iPad, über das Licht, Musik, die Fußbodenheizung, Raffstores und die Dachfenster gesteuert werden können.

 

HOMERUN, MANNHEIM

Mitten in Mannheim im Stadtteil Neckarstadt-Ost entsteht auf der Konversionsfläche der ehemaligen Kaserne „Turley Barracks“ das Wohnquartier HOMERUN. Im Jahr 2007 wurde das 24.081 m² große Areal zur zivilen Nutzung geräumt, zuvor wohnten hier amerikanische Soldaten der US-Garnison Mannheim. Gemeinsam konzipierten die Architekten Peter Bender / Motorlab Architekten aus Mannheim und Florian Krieger aus Darmstadt vier Gebäudetypologien, die auf dem Grundsatz des Quadrats beruhen. In vier Bauabschnitten werden rund 200 hochwertige Wohneinheiten mit Wohnflächen von ca. 56 m² bis ca. 160 m² entstehen. Für den ersten Bauabschnitt, im Frühjahr 2017 fertiggestellt, wurde HOMERUN die Hugo-Häring-Auszeichnung des BDA Baden-Württemberg verliehen.

Je größer ein Baukörper bzw. eine Gebäudegruppe in der Fläche ausgelegt wird, desto geringer fällt die Höhenentwicklung aus. Es entsteht ein „urbanes Relief“ aus ähnlichen Kubaturen unterschiedlicher Höhe und Tiefe.

Objekt I HOMERUN, Mannheim; Bauherr I Mannheimer Wohnwerte GmbH; Architekten I Arge Bender – Krieger, Peter Bender/Motorlab Architekten
Mannheim – Rahmenkoordination, florian krieger architektur und städtebau - Entwurfskoordination und Federführung; Wettbewerb 2012/2013 I 1. Preis im Investorenauswahlverfahren der Stadt Mannheim; Gebäudetypologien I Punkthaus, Reihenhaus, kompakter Block /„Quattrohaus“, Hofhaus; Grundstücksfläche I 24.081 m²; Baubeginn I 2015; Fertigstellung I 2017/2018; GROHE-Produkte I Waschtisch- und Brausearmaturen Lineare und Euphoria, Vorwandinstallation Rapid SL

Die Wohnflächen der Häuser und Wohnungen reichen von ca. 56 m² bis ca. 160 m².

 

SAPPHIRE, BERLIN

Im Berliner Stadtteil Mitte baute das Studio Libeskind 2013 bis 2017 das Apartmenthaus Sapphire mit 73 individuellen Wohnungen auf dem begrenzten Grundstück einer Blockrandbebauung. Markant und namensgebend ist die kristalline expressive Form der Fassade, die durch ihre Verkleidung in unterschiedlichen Blau-Grün-Schattierungen schimmert. Neben einer Vielzahl kleinerer Wohnungen entstanden sechs Penthouses mit einer Geschosshöhe von bis zu 7,00 m, die sich an der Gebäudeecke markant in den Himmel schieben.

Objekt I Sapphire, Berlin; Wohn- und Geschäftsgebäude; Bauherr I Chausseestraße 43 Entwicklungs GmbH; Architekten I Architekt Daniel Libeskind AG, Zürich, with Studio Libeskind, New York; Projektleitung I Jochen Klein, Zürich; BGF I ca. 10.000 m²; Planungsbeginn I 2012; Baubeginn I 2014; Fertigstellung I 2017; GROHE-Produkte I Wachtischarmatur Eurocube, Wannen- und Duscharmatur Eurocube, Vorwandinstallation Rapid SL, Betätigungsplatte Skate Cosmo

Die Fliesen der Fassade wurden teils um 180° gedreht, um das repetitive Muster zu brechen. Die Linien setzen sich dabei dennoch immer fort.

„Wohnen ist für mich das große Thema der Architektur. Orte zu schaffen, in denen es den Menschen in ihrem täglichen Leben gut geht.“ Dieser von ihm selbst formulierten Herausforderung stellte sich Daniel Libeskind erstmals in Deutschland mit dem Apartmenthaus Sapphire in Berlin-Mitte, einem sechsgeschossigen Gebäude an der Ecke Chausseestraße und Schwartzkopffstraße, das mehr ist als eine übliche Blockrandbebauung. In Libeskindtypischer expressiver Gestaltung nimmt sich der Bau mit seiner mit hochwertigen titaniumoxidbeschichteten Keramikplatten verkleideten Fassade in der Straßenflucht nicht zurück, sondern bereichert das Bild mit selbstbewusster Lebendigkeit. Die kristalline Form und die Platten, die in unterschiedlichen Grün- und Blautönen das Sonnenlicht reflektieren, gaben dem Bau seinen Namen. Auch wenn manchem Betrachter die Formsprache zu wild, die Haltung des Architekten zu ichbezogen und repräsentativ erscheinen mag – gerade als direktes Gegenüber des Gebäudekomplexes der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes mit einer fast schon mutigen Aneinanderreihung immer gleicher Fassaden tun die Asymmetrien und Schrägen dem Auge durchaus gut!

Die Fassade
Die optische Wirkung der Fassadenplatten ist dabei sehr erstaunlich. Selbst an einem trüben Novembertag changiert die Fassade in unterschiedlichen Nuancen, wobei sich ohne direktes Sonnenlicht eher grün- und blaubraune Farbtöne unterschiedlicher Helligkeit ergeben. An sonnigen Tagen hingegen erzeugt das Relief der Fassadenplatten tatsächlich ein funkelndes Reflektieren des Lichtes. Auf jeder der 60 x 120 cm großen, 9 bis 12 mm dicken Flachrelief-Fassadenplatten
wiederholt sich dabei ein von Libeskind entworfenes Pattern. „An den Kanten der drei gering versetzten Ebenen bricht sich das Licht. Die Lasur der Fliesen nimmt zudem das Umgebungslicht auf und reflektiert dieses, weshalb die Fassade zu jeder Tageszeit ganz unterschiedlich wirkt“, erläutert hierzu Projektleiter Jochen Klein. „Die keramische Fliese ist sehr hart und daher völlig unempfindlich gegen Verkratzen. Sie ist selbstreinigend und neutralisiert aufgrund der Beschichtung bei Sonnenschein CO².“ Die Keramik-Außenfassadenflächen wurden zudem in 18 Teilflächen gegliedert, deren Neigung von 3° nach außen bis 6° nach innen variiert. Die teils schiefwinkligen Fliesen wurden alle auf Basis des 3D-Modells im Werk in Italien geschnitten, durchnummeriert und dann in Berlin eingehängt. Dabei musste so gut wie keine Fliese nachgeschnitten werden. Das Haus besteht in weiten Teilen aus Betonfertigteilen und Filigranelementen, die vor Ort ausgegossen wurden. Die vielfältigen Formen der Fassade wurden hingegen in Ortbeton ausgeführt.

Die Fassadenform wirkt im Bereich der Loggien auch nach innen und bildet ungewohnte und dadurch attraktive Räume mit offener Großzügigkeit. Zu jeder Wohnung gehört eine Loggia, eine Terrasse oder eine Dachterrasse. Zusätzlich gibt es gemeinsame Freiflächen im Hof und auf dem Dach.

Die Grundrisse
So individuell wie die Fassade sind auch die Grundrisse der 73 2- bis 3-Zimmer-Apartments. Im Gegensatz zu seinen öffentlichen Bauten konnte Libeskind hier durch das Fehlen großer innerräumlicher Zusammenhänge nur bedingt mit Verschränkungen und Verschneidungen arbeiten. Dennoch zeigen eine durchdachte Tageslichtführung und das Spiel mit der Fassade, wie beispielsweise schräg in den Raum hineinragende Loggien mit dreieckigen Grundflächen oder große asymmetrisch in die Fassade eingeschnittene Fensteröffnungen, eine große Wirkung. Es entstehen neue, für das Auge ungewohnte, aber attraktive Bilder. Eine anspruchsvolle Aufgabe war bei der Grundrissplanung, auch die kleineren Wohnungen so zu organisieren, dass sie dennoch großzügig wirken. „Keine Wohnung ist wie die nächste“, so Projektleiter Klein. „Nach Programm sollten sehr viele kleine Wohnungen ab 45 m² entstehen. Unser Anspruch war es, dass zum einen alle Funktionen auch im Detail gut gelöst sind, beispielsweise durch separate Waschmaschinenschränke oder begehbare Ankleiden, zum anderen sollten natürlich auch alle die Handschrift von Daniel Libeskind tragen. So haben wir den sehr kompakt organisierten Grundrissen die spielerisch gefaltete Außenfassade  gegenübergestellt. Sie wirkt nach innen und nach außen und umschließt Zwischenräume, die als Loggien genutzt werden.“ Zusätzlich zu dem individuellen Wohnraum können die Bewohner verschiedene Gemeinschaftsflächen, wie eine Terrasse auf dem Dach oder ein Fitnessstudio im Innenhof, nutzen. Die U-förmige Bebauung gliedert sich in drei getrennt organisierte Einheiten mit jeweils eigener Erschließung. Eines der drei Treppenhäuser ist von einer Concierge besetzt.
In den Entrees findet man ebenfalls zwei typische Libeskind-Elemente: eine geneigte Wand in dunklem Rot sowie speziell für das Sapphire entworfene  Lichtinstallationen. Die einläufige Treppe führt aus der Erdgeschosszone mit Einzelhandelsnutzung zunächst in das erste Obergeschoss mit Zugang zum Innenhof. Auf dieser Ebene verschwenkt das Treppenhaus im rechten Winkel und verläuft nun parallel zur Fassadenseite im Gebäudeinneren.

Markantes Libeskind-Design im Entree mit roter Wand und für das Objekt entwickelter Lichtinstallation.

Wohnungsbau
Viel diskutiert wird in Berlin darüber, ob es nicht wichtiger gewesen wäre, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Auch nach den Vorstellungen Daniel Libeskinds hätte es an dieser Stelle zumindest auch günstigen Wohnraum geben sollen, aber das Projekt wurde anders konzipiert. Von Luxuswohnungen möchten die Architekten allerdings nur in Bezug auf die Penthouse-Apartments sprechen. „Alle anderen Wohnungen bewegen sich im üblichen Preisrahmen des Quartiers“, so Stefan Blach, Partner im Büro Libeskind, New York. „Durch die Individuallösungen der Grundrisse und der Fassade liegt der Preis etwas höher,
aber gegenüber vergleichbaren Wohnungen der Umgebung fällt er nicht aus dem Rahmen.“
Die Chausseestraße in Berlin-Mitte ist die Fortsetzung der Friedrichstraße in Richtung Wedding und die älteste Straße der Oranienburger Vorstadt. Der südliche Teil der Straße genießt bereits schon länger das sogenannte Mitte-Flair mit einer Vielzahl von Einrichtungsläden, Cafés und Restaurants. Ein ähnliches Potenzial sahen Architekten und Bauherr auch eine U-Bahn-Station weiter nördlich an der Schwartzkopffstraße. „Der Plan ist aufgegangen“, so Architekt Blach. „Unser Gebäude hat einiges ausgelöst und dazu beigetragen, das Gebiet auf dem Wohnungsmarkt interessant zu machen und das Quartier zu entwickeln.“ Diese Entwicklung hat eine durchaus positive Sogwirkung, aber dementsprechend auch ihren (Miet- und Grundstücks-) Preis.
Derzeit plant das Büro ein Projekt im bezahlbaren Wohnungsbau. Spannend wird also sein, ob auch hier die typische Libeskind-Handschrift umsetzbar sein wird und umgesetzt werden soll oder ob ganz neue Wege beschritten werden.

1989 gründete Daniel Libeskind nach dem Gewinn des Wettbewerbs für das Jüdische Museum gemeinsam mit seiner Frau Nina das Studio Libeskind in Berlin. Seit diesem internationalen Erfolg erweiterte sich das Portfolio des Büros um unterschiedlichste öffentliche Bauten weltweit. Der Wohnungsbau ist dabei erst in jüngerer Zeit hinzugekommen. Das starke Interesse für Musik, Philosophie und Literatur zeigt sich in den nahezu poetischen Entwurfskonzepten des visionären Architekten, dessen Ziel es immer ist, Architektur als Sprache zu sehen, die eine Geschichte des Ortes und seiner Bewohner erzählt.

 

DIE ZUKUNFT DES WOHNENS IST KLIMANEUTRAL

Nachhaltigkeit und moderne Technik werden in der Wohnungswirtschaft mit Neubau und privatem Wohneigentum assoziiert – nicht mit Sanierung oder Mietwohnungen. In Berlin-Lankwitz wird mit dem Pilotprojekt „Zukunftshaus“ genau hier angesetzt. In Orientierung an den primären Zielen der Berliner Stadtentwicklung, Klimaschutz und Energiewende, hat die degewo ein Wohngebäude so umgebaut, dass es sich fast vollständig selbst mit Energie versorgt. Und das soll sich rechnen. Laut degewo sollen die warmen Betriebskosten um bis zu zwei Drittel niedriger sein als vorher. Im Sommer 2017 sind nach 16 Monaten Sanierung die ersten Mieter nach der Umrüstung in das 1955 errichtete Mehrfamilienhaus in der Havensteinstraße eingezogen.

Die Wohnungswirtschaft ist der Klimaschutzpolitik verpflichtet und muss langfristig neue Wege gehen. „Die Idee entstand 2012 bei einer Klausurtagung“, erinnert sich die Projektleiterin der degewo-eigenen Bauabteilung „bau-Werk“ Dipl.-Ing. Martina Lindebaum. „Ziel war es, modernste Technik und bezahlbaren Wohnraum zusammenzubringen.“ Der aufwendige Umbau soll Erfahrungswerte liefern, die in Zukunft für Umrüstungen weiteren Wohnungsbestands genutzt werden können. Daher spielten die Größe, Lage und auch soziale Aspekte eine große Rolle bei der Auswahl des passenden Objekts – diese sollten möglichst ein typisches Wohngebäude der degewo widerspiegeln. Zudem wurden fachliche und technische Kriterien einbezogen. Der Gebäude- und der Wasserschutz mussten beachtet werden. Außerdem musste vor dem Objekt ausreichend Platz – 700 m² – für den „eTank“ genannten Wärmespeicher vorhanden sein. Die Wahl fiel letztlich auf ein acht Stockwerke hohes Wohnhaus im Berliner Stadtteil Lankwitz aus dem Jahr 1955. Das Konzept zum Umbau des Gebäudes mit insgesamt 64 Wohnungen wurde im Rahmen eines Strategieprojektes konkretisiert unter wissenschaftllicher Beratung von Herrn Prof. Dr.-Ing. Friedrich Sick von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Energiewende: Solarmodule an der Fassade und auf dem Dach wandeln Sonnenenergie in Wärme und Strom um.

Damit sich das Zukunftshaus selbst versorgen kann – 100 Prozent der Wärmeenergie und nahezu 50 Prozent der Stromversorgung werden selbst bereitgestellt –, wurden modernste Nachhaltigkeitstechnologien eingesetzt. Neben großflächigen Solarmodulen (Photovoltaik und Solarthermie) gehören eine Strom- und eine geothermische Wärmespeicherung, Wärmepumpen, eine Deckenheizung und eine hocheffiziente Lüftung mit Wärmerückgewinnung zur neuen Technik. Die Strom- und Wärmespeicherung ist wichtig, um schwankende Erträge zwischen Tag und Nacht sowie Winter und Sommer auszugleichen. Beim Strom löst das degewo Zukunftshaus die Herausforderung mit einer Redox-Flow-Batterie. Zur Wärmespeicherung kommt ein „eTank“ zum Einsatz, der neben dem Objekt auf einer Fläche von 700 m² überschüssige Wärme im Erdreich speichert. Der Wärmespeicher besteht aus mehreren Schichten Erde, in denen Polyethylen-Leitungen verlegt sind. Über mit Soleflüssigkeit gefüllte Leitungen wird das Erdreich durch Solarenergie erwärmt. Die gepufferte Energie wird über eine Wärmepumpe wieder nutzbar gemacht und in das Heizsystem des Hauses eingespeist, wenn sie benötigt wird.

Im Sommer kann das System zur Kühlung eingesetzt werden. Die Gebäudehülle ist auf Passivhaus-Standard gedämmt. Dazu wurde die bereits bei einer früheren Sanierung aufgebrachte Dämmung von 8 cm um weitere 12 cm Polystyrol-Hartschaum aufgestockt. Außerdem erhielt das Gebäude eine Dreifachverglasung, die Fensterlaibungen erhalten innovative Wärmedämmplatten aus mehrlagigem Vlies. Beheizt werden die 64 Wohnungen mit Flächenheizungen an den Decken, das macht Heizkörper überflüssig. Eine große Umstellung für die Mieter des Mehrfamilienhauses gibt es auch beim Lüften, denn „aktives Lüften“ ist nicht mehr nötig, das Haus belüftet sich selbst. Das Pilotprojekt wurde unter der wissenschaftlichen Begleitung der Hochschule für Technik und Wirtschaft durchgeführt. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderten Forschungsprojekts führt diese bis 2020 auch das Monitoring der Energiebilanzierung durch. Auf diese Weise soll der Erfolg des Projekts überprüft werden und gegebenenfalls Maßnahmen zur Optimierung der Wärmeversorgung der 3.626 m² großen Wohnfläche eingeleitet werden.
Das degewo-Zukunftshaus zeigt in die richtige Richtung der Energiewende: Strom und Wärme vor Ort erzeugen und verbrauchen bei erträglichen Kosten für die Mieter. Die degewo hat für dieses Projekt nur die übliche KfW-Förderung für die Sanierung zum Effizienzhaus 55 (KfW-Programm 151) in Anspruch genommen plus die entsprechende Baubegleitung (KfW-Programm 431). „Wir haben umfangreich nach weiteren Fördermöglichkeiten recherchiert, leider mit dem Ergebnis, dass außer der KfW-Förderung kein Programm in Frage kommt. Hier hat sich eindeutig eine Lücke gezeigt“, so Lindebaum.

Im Rahmen der Sanierung wurden die vorhandenen Balkone abgesägt und entfernt. Die neuen Balkone wurden vor die Fassade gesetzt, damit sie thermisch vom Gebäude getrennt sind.

 

MINIMALHAUS, UCKERMARK

Kein Gramm zu viel, jeden Zentimeter nutzen – die Planung von Kleinsthäusern erfordert Unnachgiebigkeit. Jedes Detail will durchdacht sein. Sie stellen die fundamentale Frage nach dem Nötigsten; aber auch nach dem Zusammenhang von Dichte und Weite, nach lebenswertem Raum. Der Zwang zur Kompaktheit bringt intelligente, kreative Lösungen hervor. Aufgrund des Wohnungsmangels werden die Minimalbauten zudem immer wieder als Alternative diskutiert. So oder so aber können sie dem Standard-Wohnungsbau eine Inspiration sein.

Objekt I Minimalhaus, Uckermark; Bauherr/Architekten I Wencke Katharina Schoger, Johannes Reuter; Fläche I 60 m² auf zwei Ebenen; Planung und Ausführung I 2016; Fertigstellung I 2017; GROHE-Produkte I Küchenarmatur Eurodisc Cosmopolitan, Wachtischarmaturen Essence, Eurosmart C, Duschsystem Eurosmart Cosmo mit UP-Rapido

„Gebaute Ruhe“: In der Planung ging es nicht rein um die effiziente Raumausnutzung, sondern auch um die Wohnqualität des Baus. Dafür folgt der Entwurf der menschlichen Wahrnehmung: archaischer Zugang über eine Brücke, starker Rücken, große Augen – weiter Blickwinkel, Intimräume geschützt in erhöhter Lage, weites Schutzdach.

Multifunktionale Ausstattung und Wandelbarkeit zeichnen den Wohnraum aus. Eine WC- und eine Duschbad-Miniatur teilen sich die Mitte auf der erhöhten Eingangsebene. Hintereinander gestaffelt, sind sie beide von Tageslicht durchströmt, das WC direkt an der Außenwand, das Duschbad innenliegend daran anschließend durch eine transluzente Glaswand. Die Raumabmessungen sind auf den Laib geschneidert und durch die Trennung der Sanitärfunktionen doch großzügig.