Grohe Objektreportagen
Grohe Objekt Spezial 12
Kultur

Kultur

1. STAATSOPER UNTER DEN LINDEN, BERLIN

Das Büro hg merz wurde 2009 mit der Grundinstandsetzung der Berliner Staatsoper Unter den Linden beauftragt.
Das von König Friedrich II. im Jahr 1740 bei seinem Freund, dem Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, beauftragte Opernhaus wurde nach nur zwei Jahren Bauzeit eröffnet. Im städtebaulichen Ensemble des Forums Fridericianum kombinierte Knobelsdorff das ursprüngliche neopalladianische Langhaus mit verspielt friderizianischen Rokoko-Dekorationen im Innenraum. Nach einer langen Geschichte und zahlreichen Umbauten – vor allem bedingt durch Brände, Kriegsschäden und Anforderungsänderungen – wird das Ensemble aus Staatsoper, Intendanz und Probenzentrum seit September 2010 unter der Leitung von HG Merz saniert. Die Planung orientiert sich am Gestaltungskonzept von Architekt Richard Paulick, der die Staatsoper nach dem Krieg 1952–55 im Sinne von Knobelsdorff wiederaufbaute.

Objekt I Deutsche Staatsoper Unter den Linden, Berlin; Bauherr I Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, Berlin; Architekten I hg merz architekten museumsgestalter; Projektleitung I Gesamtprojektleiter Joachim Munzig/Lutz Schütter (Teilprojektleiter: Bauteil B: Thomas Greif, Bauteil C: Nursen Dasdelen, Bauteil D: Matthias Rempen), hg merz architekten; BGF I ca. 49.731 m²; Planungsbeginn I 2009; Baubeginn I 2010; Fertigstellung I 2017; GROHE-Produkte I Waschtischarmaturen Eurostyle, Europlus und Euroeco Spezial; Duschthermostat Grohtherm 2000; Handbrause Tempesta; Abdeckplatten Nova Cosmopolitan und Skate Cosmopolitan

 

 

2.PALAIS BARBERINI, POTSDAM

In verblüffender Analogie zur Elbphilharmonie überstrahlt das Palais Barberini mit seiner bemerkenswerten Fassade, der architektonischen Offenheit und Nutzung für die Kunst die vorangegangenen Debatten um Tradition und Moderne. Potsdam erhält ein großes Stück seiner verlorengegangenen Mitte zurück und einen neuen Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt. Ein Gespräch mit dem Architekten Thomas Albrecht.

Hinter dem Kopfbau erstrecken sich die annähernd symmetrischen Seitenfl ügel, welche auf allen drei Ebenen jeweils aus nur zwei großen Ausstellungsräumen bestehen. Durch die Uferpromenade ist das Haus auch von der Rückseite zugänglich; das Café ist öffentlich und auch ohne Museumsbesuch erlebbar.

Objekt I Museum Barberini, Potsdam; Standort I Alter Markt / Humboldtstraße 5–6,14467 Potsdam; Bauherr I Museum Barberini GmbH, Potsdam; Projektleitung I Heike Welkisch / Ralf Hauser (Museum Barberini gGmbH); Architekten und Generalplaner I Hilmer & Sattler und Albrecht Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin, Thomas Albrecht; Projektleitung I Frigga Uhlisch; BGF Gebäude I ca. 8.700 m²; Fassade I 21 m hoch, 48 m breit, Sandsteine aus dem Elbsandsteingebirge; Ausstellungsfläche I 2.200 m², 17 Ausstellungssäle und ein Veranstaltungssaal auf 3 Etagen; Planungsbeginn I März 2013; Baubeginn I August 2013 (Baugrube), August 2014 (Rohbau); Fertigstellung I Herbst 2016; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Euroeco CE

Grundriss EG

 

 

3. KABBALAH CENTRE, BERLIN

Innerhalb des Wohn- und Gewerbekomplexes Bricks Berlin-Schöneberg, der als Großprojekt von GRAFT entwickelt wird, hat die weltweit verbreitete Organisation Kabbalah Centre seit Ende 2015 einen Standort für Kurse und Vorträge. Die Architekten von GRAFT bauten hierfür den Saal der ehemaligen Telegrafenvermittlungsstelle des alten Postfuhramtes um und integrierten Veranstaltungs- und Schulungsräume. Sie schufen ein durchgestaltetes warmweißes Raumkontinuum, in dem die gereinigten Kassetten-Dekorationen aus der Zeit der Jahrhundertwende wieder erstrahlen können.

Objekt I Kabbalah Centre Berlin, Veranstaltungs- und Schulungsräume, Bauen im Bestand; Bauherr I The Kabbalah Centre; Architekten I GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH; Entwurfsverfasser I Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit; Projektleiter I Dennis Hawner, Altan Arslanoglu; Projektteam I Sebastian Gernhardt, Emma Rytoft, Mats Koppe; Auszeichnung I IDA Gold Award 2016; BGF I 750 m²; NGF I 350 m²; Fertigstellung I 2015; GROHE-Produkte I Vorwandelement Rapid SL, Abdeckplatte Skate Cosmopolitan

Der Vortragssaal mit Blick auf die zweite durch GRAFT eingeführte Ebene, auf der sich die Galerie und die Küche befi nden. Trotz der Einbauten geht der großzügige Eindruck des Gesamtraumes nicht verloren.

Der Innenausbau für das Kabbalah Centre Berlin von GRAFT erweckt den Eindruck eines harmonisch fließenden Ganzen, wie er in vielen Innenausbau-Projekten des Büros entsteht – hervorgerufen durch eine konsequente Abstimmung zwischen festen Einbauten und beweglichem Mobiliar. Sanft geschwungene Formen im vorherrschenden warmen Weißton erzeugen einen freundlichen offenen Gesamteindruck. Es ist nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich Sinnsuchende und Kabbalisten des 21. Jahrhunderts hier direkt aufgenommen fühlen. Ein angemessener architektonischer Anklang an die Bedeutung des Begriffs „Kabbala“: Empfang. Während die traditionelle Lehre und Praxis der Kabbala bereits jahrtausendealt ist, handelt es sich beim Kabbalah Centre um eine 1969 in Tel Aviv gegründete Organisation, die die Grundprinzipien dieser Lehre in das heutige Alltagsleben übersetzen möchte und sich für jeden öffnet. Bekanntheit hat das Centre vor allem über seine prominenten Anhänger wie Madonna erlangt.

Historische Baukunst: Die gereinigten Kassettendecken heben sich von der hellen Gesamterscheinung des Raumes ab. Durch die zweite Ebene wird erstmalig der Blick aus den historischen Fenstern erlebbar.

Der 7,5 m hohe Raum des Kabbalah Centre findet sich recht zentral gelegen innerhalb des Gebäudeensembles des denkmalgeschützten Postfuhramtes, das 1901/1902 von den Architekten Otto Spalding und Luis Ratzeburg entworfen wurde. Es handelt sich um den früheren Vermittlungssaal des Telegrafenamtes, der sich im dritten Obergeschoss zwischen dem ersten und zweiten Hof des etwas später entstandenen Quergebäudes befi ndet. Das gesamte Ensemble wird als Wohn- und Geschäftsquartier Bricks von GRAFT im Auftrag der Berliner Investment- und Projektgesellschaft Trockland entwickelt.

Alle Räume hängen miteinander zusammen. Auf beiden Seiten ist die zweite Ebene über Treppen zugänglich. Ein endloser Bewegungsraum entsteht.

Zielsetzung des architektonischen Eingriffs für das Kabbalah Centre war es, die Großzügigkeit des Saals zu erhalten und aus den verschiedensten Blickwinkeln erlebbar zu machen. Hierfür wurde partiell eine zweite, frei im Raum zu schweben scheinende Ebene eingeführt, auf der sich die Galerie mit Küche für Feste und Dinnerveranstaltungen befindet. Von hier aus ist auch erstmalig der Blick aus den großen historischen Fenstern möglich, der den Mitarbeitern des Telegrafenamtes früher verstellt war. Zudem kommen Besucher den historischen Kassettendecken ungewohnt nahe und können die untere Hauptebene aus verschiedenen Perspektiven in den Blick nehmen. Auf der Hauptebene führt der Weg vom Empfang aus vorbei an Schulungsräumen und Büroflächen direkt in den großen Vortragssaal. Beide Bereiche sind durch die volle Raumhöhe hervorgehoben. Großzügige Treppen leiten auf die zweite Ebene.
Motiv für das Architekturkonzept von GRAFT war die zentrale Idee der Lehre der Kabbala, die stufenweise Erkenntnis als räumliche Entwicklung entlang eines Weges. Dementsprechend wurde eine Szenografi e der Raumfolge aus unterschiedlichen Nutzungen und Raumqualitäten sowohl für geschützten als auch sehr öffentlichen Bedarf entwickelt. Die Verbindung der Ebenen auf zwei Seiten schafft einen endlosen Bewegungsraum.

 

 

4. URBAN NATION MUSEUM FOR URBAN CONTEMPORARY ART, BERLIN

Street-Art im Museum? Das Urban Nation Museum scheut diesen Widerspruch nicht und möchte eine lebendige, dynamische Plattform für Künstler und Besucher aus aller Welt werden. Für das kurz auch Urban Nation genannte Museum plante GRAFT den Umbau eines fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses aus der Gründerzeit in Berlin-Schöneberg. Durch eine modulare Wechselfassade wird das Gebäude selbst zum Kunstwerk. Die Auftraggeber erhoffen sich positive Effekte für die Quartiersentwicklung.

Objekt I Urban Nation Museum; Bauherr I Stiftung Berliner Leben; Architekten I GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH; Entwurfsverfasser I Lars Krückeberg, Wolfram Putz, Thomas Willemeit; Projektleiter/in I Stefanie Götz, Denis Hegic, Anna Wittwer; Ausstellungsfläche I 500 m²; Fertigstellung I September 2017; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Essence E

Um Vertikalität zu erzeugen, wurden Teile des Obergeschosses ausgebrochen. Das soll hohe Stadtperspektiven simulieren, genauso wie der schwarze Bodenbelag an Straßenteer erinnern soll.

Seit Beginn der 2000er-Jahre hat sich Street-Art zu einer respektierten Kunstform entwickelt. Doch nur vereinzelt gab es Versuche von Galeristen, Street-Art auch indoor auszustellen. Das im September 2017 eröffnete Haus für Urban Contemporary Art ist daher ein einzigartiges Projekt und wirft mit der Institutionalisierung einer Kunst, die nie in den Räumen von Institutionen stattfinden wollte, auch Fragen auf. Für Museumsdirektorin Yasha Young handelt es sich allerdings um die konsequente Fortsetzung dessen, was auf der Straße passiert: „Das Haus soll ein Archiv sein, das eine Geschichte erzählt.“ Mit dem eigenständigen Begriff der Urban Art, in Absetzung von der Street-Art, sowie dem Schlagwort vom „impossible museum“ wird die Krux, die eine Ausstellung von Street-Art mit sich bringt, von den Beteiligten selbst ausgedrückt. Ein Museum, das aber auf keinen Fall eine normale Institution sein will – dieses Grundverständnis eröffnet viele Freiheiten für Künstler und Kuratoren und liefert Input für Debatten in der Szene sowie in Kulturinstitutionen generell. Darin lag auch der besondere Reiz des Projektes für die Architekten von GRAFT. Für Thomas Willemeit war die zentrale Frage, warum es sich in diesem Fall nicht um ein normales Museum handelt: „Es geht um unkonventionelle Kunst, die sich ihren Raum erobert, die es ermöglicht, Stadt neu zu entdecken. Es geht um die Brücke zwischen Kunst und Stadt. Dafür musste die Stadt ins Museum geholt werden. Und darum ist das klassische Berliner Wohnhaus in der Bülowstraße unserer Meinung nach auch der ideale Ort für ein solches Museum: kein Kunsttempel, sondern ein offenes Energiezentrum, immer bereit für Veränderung.“

Nichts ist sicher – jeden Quadratzentimeter dürfen die Street-Art-Künstler nutzen. Oder auch ganz klassisch Kunst auf Leinwand ausstellen, was den Vorteil der Archivierbarkeit mit sich bringt. Wer aber will, bleibt frei und flüchtig wie auf der Straße.

Für die Annäherung an Stadtperspektiven wurden vor allem Strukturen weggenommen und so Vertikalität erzeugt. Eine brückenartige „high line“ führt durch die zweigeschossigen Ausstellungsbereiche und ermöglicht vielfältige Perspektiven aus nah und fern auf die Kunstwerke. Jeder Quadratzentimeter kann durch die Künstler und Kuratoren genutzt und bespielt werden, durch Hängung von Leinwänden oder direkt auf der Wand. Auch wenn sich das Haus als Archiv versteht, bleibt die Flüchtigkeit der Street-Art Teil des Konzepts. Für die Künstler ergibt sich daraus maximale Freiheit, den Raum in Besitz zu nehmen, aber auch maximale Flexibilität, ihre Werke auf Wunsch anderswo auszustellen. Der Besucher kann die sich wandelnden Entdeckungsräume immer wieder neu erleben. Selbstverständlich wird auch die Fassade des Gebäudes von den Künstlern genutzt. Um auch hier eine höhere Flexibilität zu ermöglichen, entwickelte GRAFT eine innovative Wechselfassade aus Eternit-Modulen. Partiell austauschbar können die gestalteten Fassadenelemente später in die Sammlung des Museums aufgenommen und an anderer Stelle erneut gezeigt werden.

 

 

5. MAC MUSEUM ART & CARS, SINGEN


Einst als Industriestadt bekannt, bietet Singen heute das einzigartige MAC Museum Art & Cars, in dem Oldtimer- Schätze neben Kunstwerken der Südwestdeutschen Kunststiftung in Wechselausstellungen gezeigt werden. Das Gebäude des MAC Eins, entworfen von Architekt Daniel Binder für das Stifter-Ehepaar Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier, ist ein skulpturaler Solitär, der selbst zum Kunsterlebnis wird. Leitend für die Formfindung des Architekten war der Aphorismus Senecas „Alle Kunst ist Nachahmung der Natur“. Als Metapher diente die mythische Kulisse des Hohentwiels und seine Festungsruine.

Objekt I MAC Museum Art & Cars; Bauherr I Südwestdeutsche Kunststiftung, Singen; Architekt I Dipl. Arch. ETHZ Daniel Binder, Gottmadingen; Gartenplanung I Thomas Gnädiger, Singen; Lichtgestaltung I Bernhard Mahler, Konstanz; BGF I 1.215 m²; Nutzfläche I ca. 1.035 m²; Planungsbeginn I 2009; Baubeginn I 2011; Fertigstellung I 2013; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Eurosmart CE

Im ausgeschriebenen Architektur-Wettbewerb überzeugte Daniel Binder mit seinem ersten Entwurf, der sich im Dialog mit der Bauherrschaft noch weiterentwickelte. Das nötige Kapital stiftete das Ehepaar Maier, das Grundstück am Fuße des Hohentwiels wurde von der Stadt Singen in die Stiftung eingebracht.

Der Neubau des MAC Museum Art & Cars ist das Ergebnis eines längeren Diskurses, in dem sich die Absichten der Südwest-deutschen Kunststiftung und des Unternehmer- und Stifter-Ehepaars Hermann Maier und Gabriela Unbehaun-Maier produktiv verbunden haben. Für die Stiftung wurde es in den 2000er-Jahren immer wichtiger, die auf 3.000 Objekte angewachsene Sammlung auch angemessen zu präsentieren. Das Ehepaar Maier plante ein Gebäude, das selbst Kunst sein sollte, um Teile der Sammlung zu beherbergen sowie Kunst und Oldtimer im Kontext zu präsentieren. Es war mit Daniel Binder deswegen schon im Gespräch. In vielen Gesprächen mit Kunstvertretern der Stiftung entstand schließlich die Idee eines Museums für moderne Kunst und Automobile. Das Nutzungsprofil schärfte sich weiter zu einem Museumsbau mit Öffentlichkeitsbezug.
Die dynamische Formgebung mit ihrem geschwungenen Gesamtbild aus konkaven und konvexen Formen entwickelte Daniel Binder in Auseinandersetzung mit dem geradezu mythischen Ort des Hohentwiels und der Hegauer Landschaft mit ihren geschliffenen Vulkankegeln. „Uns hat die Frage bewegt, inwiefern man sich auf einen freieren Formfindungsprozess einlassen kann. An dieser Stelle, wo die starke Landschaft dominiert, an der wir keinen Bestand haben, auf den wir uns beziehen müssten. In der Stadt wäre dieser Bau nicht möglich gewesen.“

Auf dem Betonsockel erheben sich die geschwungenen Mauern von 8,50 bis fast 12 Meter. Die minimalistische Gestaltung an der Straßenseite ohne Fenster und Dachüberstände, einheitlich in umbrafarbigem Putz, unterstützt den Eindruck fließender Bewegung. Die Rundungen der Fassade wurden im Inneren nicht begradigt, sondern modulieren ein abwechselndes Raumerlebnis und schaffen damit ein ungewöhnliches Ausstellungskonzept. Um die nahezu einnahmenlose Stiftung nicht durch hohe Betriebskosten zu belasten, sollte das Gebäude ohne aufwendige Haustechnik auskommen. Dafür fiel die Wahl auf 42 cm starke monolithische, vollkeramische Ziegel, die dank hoher Speicher fähigkeit Temperatur- und Feuchtigkeitsspitzen abbauen können. In Kombination mit einer langsam reagierenden Fußbodenheizung und einer doppelten Klimaschleuse über Windfang und Foyer wurde ein thermisch und hygrisch träges Gebäude geschaffen, das das notwendige ausgeglichene Raumklima für Kunstwerke gewährleisten kann. Nach den ersten Jahren im Betrieb zeigt sich bereits, dass die etwas über 1.000 Quadratmeter nicht ausreichend Platz bieten: „Seit der Eröffnung des MAC haben wir aufregende Zeiten hinter uns. Aus einem Depotprojekt entstand ein Museum. Wir wurden von Unternehmern zu Museumsbetreibern. Der Erfolg hat uns angespornt, noch mehr zu wagen. Wir wollen Automobile in größeren Zusammenhängen zeigen, mit mehr Exponaten und in Verbindung mit weiteren Kunstgattungen“, erläutert Ehepaar Maier das derzeit laufende Neubauprojekt MAC Zwei, in dem größere Installationen, Video- und Lichtkunst unterkommen sollen. Auch mit diesem Objekt wurde Daniel Binder beauftragt.

Rückseitig rahmt das Gebäude einen kleinen Innenhof und lässt auf dieser Seite durch Fenster Tageslicht ein. Der Blick geht auf den großen Museumsgarten und den Hohentwiel. Auf zwei Geschossen finden sich in changierenden Grautönen gestaltet helle und gänzlich dunkle Ausstellungsräume sowie eine Gastronomie.

 

 

6. ST. TRINITATIS, LEIPZIG

Nach über 70 Jahren endete die Odyssee der Leipziger Propsteigemeinde mit der Weihe eines innerstädtischen Kirchenneubaus. Die Leipziger Architekten Schulz und Schulz überzeugten mit einem Baukörper, der aus dem Organismus der umgebenden Stadt heraus entwickelt ist.

Objekt I St. Trinitatis, Leipzig; Bauherr I Katholische Propsteipfarrei St. Trinitatis, Leipzig; Architekten I Schulz und Schulz, Leipzig; Künstlerische Gestaltung liturgische Orte I Jorge Pardo, Los Angeles; Künstlerische Gestaltung Kirchenfenster I Falk Haberkorn, Leipzig; Nutzfläche I 2.600 m²; Planungsbeginn I 2011; Fertigstellung I 2015; GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Eurodisc Cosmopolitan

Die horizontale Schichtung des Rochlitzer Porphyrs mit Vor- und Rücksprüngen in der Fassade lässt die Kirche förmlich aus dem Boden herauswachsen.

Die ursprüngliche St.-Trinitatis-Kirche aus dem Jahr 1847 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und durch die politischen Machtspiele des SED-Regimes an den verkehrsungünstigen Stadtrand gedrängt. Der 1982 entstandene unscheinbare Zweckbau hätte aufgrund erheblicher Baumängel nur mit hohem finanziellem Aufwand saniert werden können. Nach Verhandlungen der Propsteigemeinde mit der Stadt Leipzig um ein neues Baugrundstück fand sich 2008 gegenüber dem Neuen Rathaus eine geeignete brachliegende Fläche.
In einem von der Katholischen Kirche ausgelobten, beschränkten Wettbewerb setzten sich die Leipziger Architekten Schulz und Schulz gegen fünfzig teils renommierte internationale und kirchenbauerfahrene Architekturbüros durch. „Es war unglaublich, wir bekamen damals eine Wildcard für junge, regionale Büros“, erinnern sich die Architekten Ansgar und Benedikt Schulz. „Das hat uns wahnsinnig gefreut und motiviert. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrung im Kirchenbau vorweisen konnten, haben wir uns auf unsere Zeit als Messdiener und die detaillierten Kenntnisse im Ablauf der heiligen Messe besonnen.“
Das dreieckige Grundstück zwischen dem Neuen Rathaus und dem Wilhelm-Leuschner-Platz empfand Ansgar Schulz durchaus als Herausforderung. Die Architekten haben die vorhandenen städtischen Blockkanten aufgenommen und definierten damit einen Ort, der sich respektvoll einfügt und zugleich wohltuende Stadtraumkanten schafft. Der Neubau erhält seine Präsenz durch den hohen Kirchenbaukörper und den Kirchturm sowie durch die einladende Offenheit des Pfarrhofs. Im Inneren wird die Trinitatiskirche durch die Inszenierung des Lichts und die Wirkung des Raums bestimmt.

Gegenüber dem großen Kreuz des Künstlers Jorge Pardo an der Altarrückwand ist ein zweites Kreuz als dessen negativer Abdruck in die Wandfläche über der Empore eingeschnitten.

Ein großes Oberlicht lässt Tageslicht unterschiedlicher Intensität entlang der Altarrückwand in den Kirchenraum. Mit dem großformatigen Kirchenfenster hat der Künstler Falk Haberkorn eine großzügige und einladende Geste an die umgebende Stadt gestaltet. Die größte Herausforderung bestand laut Architekt Ansgar Schulz darin, die liturgische Nutzung des Kirchenraums mit dem Städtebau zu vereinen. Betreten wird der quer ausgerichtete Kirchenraum über das Hauptportal im Westen. Szenografische Mitte ist der Altarraum, der über fünf Wege mit dem Portal und dem Taufstein, der auch als zentrales Weihwasserbecken dient, dem Aufstellort der Madonna, dem Kirchenfenster, dem Tabernakel und der Kapelle verbunden ist. Um auf Abtrennungen gegenüber der Gemeinde zu verzichteten, wurde der Altarraum stufenlos ausgeführt; das ermöglicht zusätzliche liturgische Handlungen.
Auf Wunsch des Bauherrn realisierten Schulz und Schulz ein besonders nachhaltiges Gebäudekonzept, das auf Basis des Grundsatzes des selbstgenügsamen Handelns einen sorgsamen Umgang mit der Schöpfung ermöglicht. Die große Akzeptanz des mehrfach ausge-zeichneten Neubaus freut nicht zuletzt die Katholische Kirche, deren Feiern der heiligen Messen stets bis auf den letzten Platz besucht sind.

Zwischen Kirchturm und Kirchenraum ist der Pfarrhof eingeschnitten und öffnet den Baukörper zur umgebenden Stadt.

 

 

7. ST. JODOKUS, BIELEFELD

Die Modernisierung eines historischen Gebäudes ist immer eine sensible Aufgabe – erst recht, wenn es sich dabei um eine spätgotische Hallenkirche handelt: Bei St. Jodokus in Bielefeld gelang Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten in Kooperation mit dem Bildhauer Prof. Norbert Radermacher eine ebenso einfühlsame wie zurückhaltende und gerade deshalb sehr präsente Modernisierung.

Objekt I St. Jodokus, Bielefeld; Bauherr I Katholische Kirchengemeinde St. Jodokus, Bielefeld; Architekten I Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten BDIA, Berlin; Verkleidung Tabernakelkapelle I stefan fittkau metallbau + kunstschmiede GmbH, Berlin; Kirchenmobiliar I Tischlerei F. & O. Lamm, Bielefeld; Auszeichnung I Deutscher Innenarchitekturpreis 2014 Anerkennung, Teamwork Bau 2013, Architekturpreis Farbe Struktur Oberfläche 2012; BGF I 1.130 m²; Planungsbeginn I 12/2009; Baubeginn I 07/2010; Fertigstellung I 01/2013; Baukosten I 1,2 Mio. € (inkl. Anbau, Innenausbau, Ausstattung, Kunstwerke); GROHE-Produkte I Waschtischarmatur Eurodisc Cosmopolitan

Blick in das Kirchenschiff und den Chorraum mit gotischem Kreuzrippengewölbe und zeitgenössischem Mobiliar.

Zum 500-jährigen Weihejubiläum der ehemaligen franziskanischen Klosterkirche 2011 lobte die Gemeinde einen Wettbewerb für die Neugestaltung der Sakralräume, die denkmalpflegerische Restaurierung und die Lichtgestaltung aus, den Reuter Schoger Architekten Innenarchitekten mit Prof. Norbert Radermacher für sich entschieden. Grundgedanke ihres Entwurfs war es, die über die Jahrhunderte gewachsene Vielfalt der Räume und Bildwerke in ihrer Unterschiedlichkeit zu respektieren und als den besonderen Reichtum von St. Jodokus herauszuarbeiten: Um die räumlichen Qualitäten, ihre Besonderheiten und liturgischen Bedeutungen, Bestimmungen und Abläufe zu stärken, befragten sie jede Figur, jede Nische, jedes Möbel und jeden liturgischen Gegenstand nach der richtigen Stelle, dem richtigen Grad an Konzentration und Intensität, dem richtigen Licht sowie dem Verhältnis von Nah- und Fernwirkung. Die Lichtgestaltung orientiert sich an den zentralen Momenten der Liturgie und rückt die Schätze der spätgotischen Kirche in den Fokus: Kunsthistorisch bedeutsame Heiligenfi guren wie die Holzskulptur der „Schwarzen Madonna“ von 1220 inszenierten Reuter Schoger in separaten Seitenkapellen, für die Opferlichter entwarfen sie mit Messing ausgekleidete Wandnischen, ein speziell entwickeltes Lüftungssystem sorgt dafür, dass sie nicht verrußen. Damit überzeugten sie nicht nur das Preisgericht, sondern auch die Jury des Architekturpreises „Farbe, Material, Oberfläche“: „Mit sehr feinfühligen Eingriffen an der Kirchenoberfläche sorgen sie für Kontemplation und Konzentration. Das Projekt nutzt die Möglichkeiten von Farben, Strukturen und Oberflächen, um auf höchst unaufdringliche und dennoch intensive Weise die Spiritualität des Raumes zu steigern.“ Die Farbgestaltung setzt auf starke Hell-Dunkel-Kontraste, weiß gekalkte Wandflächen und den Boden aus ortstypischem dunkelvioletten Sandstein. Um den Chorraum als Konzentrationspunkt für die Liturgie der gesamten Gemeinde zu öffnen und den Blick auf das sakrale Geschehen zu konzentrieren, versetzten Reuter Schoger das faltbare Ikonenretabel von Alexej Saweljew (1962) in die dem Kreuzgang angegliederte Franziskuskapelle, wo ihre Bildtafeln erstmals aus der Nähe wie eine Geschichte in Bildern „gelesen“ werden können. Mit der Neuordnung hängt das goldgefasste, bemalte Kreuz nun – gezielt beleuchtet – in der Raummitte, das restaurierte und umgebaute Chorgestühl „antwortet“ den Bänken der Gemeinde, nimmt den Altar in die Mitte und schließt den Raum nach hinten ab.

Die Franziskuskapelle dient für Schulgottesdienste und Andachten in kleinerem Kreis; an der Altarwand das neu gestaltete Ikonenretabel.

Eine besondere Herausforderung waren die Bankreihen der Franziskuskapelle: Angeordnet in konzentrischen Ellipsen um den Altar, verstärken sie persönliche Nähe und Gemeinschaft der Teilnehmenden. In Verbindung mit der im Grundriss elliptischen Rundung bildeten die leicht geneigten Sitzflächen und Rückenlehnen eine komplexe Aufgabe für die Tischler.
Für den von Norbert Radermacher auf dem Grundriss eines zwölfzackigen Sterns neu gestalteten Tabernakel aus weißem Marmor entwarfen Reuter Schoger eine Kapelle, die als skulpturale Geste aus der Wand des Kirchenschiffs nach außen tritt; durch eine Dachfuge fällt Tageslicht in den Innenraum. In die Außenhaut aus patinierter Baubronze ist das Vaterunser eingeschnitten.

Der Neubau der Tabernakelkapelle tritt als skulpturale Geste aus der Wand des Kirchenschiffs. In die Außenhaut aus patinierter Baubronze ist das Vaterunser eingeschnitten.