Grohe Objektreportagen
Grohe Objekt Spezial 08
Museum

Museum

1. DEUTSCHES FUSSBALLMUSEUM, DORTMUND

Ende Oktober 2015 wurde der Neubau für das Deutsche Fußballmuseum offiziell eröffnet. Vier Jahre nach dem Gewinn des europaweit ausgelobten Wettbewerbs gibt der von HPP Architekten errichtete Museumsbau der 140-jährigen deutschen Fußballgeschichte eine neue und dauerhafte Heimat. Entstanden ist ein Neubau für das Deutsche Fußballmuseum, das für Dynamik und Emotion steht, ein transparentes Haus, das sich öffnet und einlädt, das begeistern und verbinden soll.

Objekt I Deutsches Fußballmuseum, Dortmund; Bauherr I DFB-Stiftung Deutsches Fußballmuseum gGmbH; Architekten I HPP Architekten, Düsseldorf; Partner I Gerhard G. Feldmeyer, Werner Sübai; Projektleiter I Antonino Vultaggio; Ausstellungsgestaltung I TRIAD Berlin; Projektgesellschaft mbH; BGF I 7.700 m²; Ausstellungsfläche I 3.400 m²; Fertigstellung I 23. Oktober 2015; GROHE Produkt I Waschtisch Armaturen Euroeco und Eurosmart CE, Infrarot-Elektronik Tectron Skate für Urinal, WC-Abdeckplatte Skate Cosmopolitan, Rapid SL Installationselement für Urinal und WC

Längsschnitt

 

2. SCHWULES MUSEUM*, BERLIN

1985 aus der homosexuellen Subkultur heraus gegründet, entwickelte sich das Schwule Museum* in Berlin schnell zu einer viel beachteten Institution. Für das stetig anwachsende Archiv wurde 2013 ein neuer Standort gefunden und ausgebaut. Das Team von wiewiorra hopp schwark architekten entwickelte in der ehemaligen Druckerei an der Lützowstraße am Rande des Tiergartens ein spannungssreiches Konzept für die Innenarchitektur. Klare Schwarz-Weiß-Kontraste, die sich bis in die Gestaltung sämtlicher Möbel fortsetzen, fordern zum Dialog auf.

Akzente durch abwechselnde Farbflächen: Konsequentes Design für ein konsequentes Haus. Architekt Carsten Wiewiorra entwickelte das Gestaltungskonzept in Schwarz-Weiß.

1.600 Quadratmeter verteilt auf drei Ebenen: Vier Ausstellungsräume mit Foyer und Café sind zentral im Erdgeschoss untergebracht, im Obergeschoss befinden sich eine Präsenzbibliothek mit Rechercheplätzen, Büroräume und eine Werkstatt. Das Untergeschoss beherbergt den Archivbestand des Museums in klimatisierten Depots. „Ein konsequentes Haus braucht ein konsequentes Design“, so lautete die Anforderung von Carsten Wiewiorra, selbst Vorstandsmitglied des Schwulen Museums*.

Markante Empfangstresen im Foyer, Café und der Bibliothek leiten den Besucher unterstützt durch ein Orientierungssystem mit Pfeilen und Wandbeschriftung.

Das von ihm ehrenamtlich entwickelte Gestaltungskonzept kreiert mit einfachen, an das geringe Budget angepassten Mitteln ein kontrastreiches, markantes Interieur. Bis ins kleinste Detail findet das Farbkonzept Anwendung. Nicht nur die Wände, Decken und Böden – auch die Möbel wie der imposante schwarze Tresen mit weißer Ablagefläche, Tische und Stühle im Cafébereich und die Vitrinen in der Ausstellung spielen dieses Spiel der Gegensätze mit. Mal wild wie im Verbindungsgang zwischen den Ausstellungsräumen, der mit geneigten Wänden, einer abschüssigen Decke und dem rampenartigen schwarzen Boden eine besondere Stimmung erzeugt.

Weltweit eine der größten und bedeutendsten Institutionen für die Archivierung, Erforschung und Vermittlung der Geschichte und Kultur der LGBTIQ-Communities (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex, Questioning) – das Schwule Museum* ist ein Ort, der über die Diversität von sexuellen Identitäten und Geschlechterkonzepten informiert.

Mal ruhig und zurückhaltend wie in den Ausstellungsräumen, wo der Schwarz-Weiß-Kontrast nur bei genauem Hinsehen in Form unscheinbarer, zurückversetzter schwarzer Filzsockel zu entdecken ist. Einfach und überzeugend ist auch das Lichtkonzept, das zunächst nur als Provisorium gedacht war, sich jedoch als optimale Lösung herausstellte: Jeweils vier an die Decke gehängte Neonröhren bilden ein diagonales Kreuz und sorgen durch diese Ausrichtung ohne Lichtverlust für eine gleichmäßige Ausleuchtung der Bibliothek. Die Kunst in den Ausstellungsräumen wird zusätzlich durch Strahler hervorgehoben. Von der Standortwahl bis zum Architekturkonzept folgte Carsten Wiewiorra einem spannungsreichen Ansatz.

Die Ausstellungsräume wirken hell, weiß, rein und eröffnen mit verstellbaren Wänden und Vitrinen größte Flexibilität für unterschiedliche Gestaltungen.

Nicht nur die Räumlichkeiten selbst sprachen für den Standort in der Lützowstraße. Wiewiorras Idee war es, die gefragte Institution zu nutzen, um einen unbekannten, stillen Ort zu beleben, zu einer bekannten Adresse zu machen und somit neue Geschichte zu schreiben. Kein Wunder, dass auch die Toiletten als Rückzugsort gezielt belebt wurden. Innerhalb der reduzierten Design-Umgebung überraschen die Unisex-WC‘s als augenzwinkerndes Klischee mit rosafarbenen Fliesen. Und welche Farbe könnte mit ihren kulturellen Zuschreibungen besser geeignet sein für ein schelmisches Unisex-WC im Schwulen Museum* als Rosa?

Schwules Museum*: Es geht nicht nur um Schwule. Das Sternchen wurde dem Namen hinzugefügt, um der Offenheit des Vereins gegenüber jeder Form von Geschlechtlichkeit und sexueller Orientierung Ausdruck zu geben.

Projekt I Schwules Museum*, Berlin; Bauherr I Verein der Freundinnen und Freunde des Schwulen Museums in Berlin e.V.; Architekt I Prof. Carsten Wiewiorra, wiewiorra hopp schwark; Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin; GROHE Produkte I Eurostyle Cosmopolitan Waschtischarmaturen, Rapid SL für WC und Urinal, WC Abdeckplatte Nova Cosmopolitan, Urinal Infrarot-Elektronik Tectron

Foto: Clean Fotostudio GmbH

"Die Schwarz-Weiß-Kontraste werden als pro und contra gelesen und symbolisieren Dialog und Diskurs. Die rosa Unisex-Toiletten sind dagegen reines Klischee – ein Augenzwinkern, dass von den Besuchern auch als solches wahrgenommen und verstanden wird."

Prof. Carsten Wiewiorra, wiewiorra hopp schwark Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

 

3. RICHARD WAGNER MUSEUM, BAYREUTH

"Ein neues Museum im historischen Garten des Hauses Wahnfried zu verorten, ohne die solitäre Wirkung des Bestandes zu beeinträchtigen, die Idee der Gartenanlage erlebbar zu belassen und trotzdem den neuen Eingriff sinnfällig in Erscheinung treten zu lassen" – so beschreiben Staab Architekten die besondere Herausforderung
bei der Planung der Erweiterung des Richard Wagner Museums in Bayreuth.

"Hier, wo mein Wähnen Frieden fand – Wahnfried – sei dieses Haus von mir benannt.", Richard Wagner

Entkernt, saniert, barrierefrei umgebaut und um einen Erweiterungsbau ergänzt, präsentiert sich das Richard Wagner Museum nach dreijähriger Bauzeit seit seiner Wiedereröffnung im Juli 2015 völlig neu. „Kinder, macht Neues“, hatte schon Richard Wagner gefordert. Mit dem Abbruch des Verbindungsbaus zwischen Siegfriedhaus und Haus Wahnfried waren die Weichen dafür gestellt. Staab Architekten positionierten die neue Bebauung westlich vom Wahnfriedhaus entlang der Grundstücksgrenze, was Haus Wahnfried als Solitär erfahrbar macht und die historische Gartenbegrenzung wieder belebt. Zugleich eröffnete sich so die Möglichkeit, den Garten nach der ursprünglichen Planung zu gestalten, in welcher der Raum durch Allee, Vorplatz und Garten gegliedert wurde.

Im großen Saal steht spielbereit Wagners Konzertflügel.

Der pavillonartige Neubau ist in seiner Form und reduzierten Materialität bewusst schlicht gehalten. Die komplett verglasten Fronten geben den Blick frei auf Haus Wahnfried und den Wahnfried-Garten.

Unter dem Erweiterungsbau befindet sich ein tieferliegendes Geschoss, das sich bis zum Vorplatz erstreckt. Hier sind einerseits funktionale Notwendigkeiten untergebracht. Zugleich entstand so Raum für große Depotflächen, ergänzende Medienräume und Gänge, welche die Gebäude unterirdisch miteinander verbinden. Haus Wahnfried, der Neubau und das Siegfried-Wagner-Haus – das dreiteilige Gebäudeensemble prägt zugleich die Struktur der Ausstellungen.

Rekonstruierte Wandbemalung in der Halle: Einblicke in Richard Wagners Lebenswelt

Haus Wahnfried, in dem Richard Wagner von 1874 bis 1882 lebte und sein Werk „Götterdämmerung“ vollendete, gibt als „authentisch-auratischer“ Ort Einblicke in die Lebenswelt des Komponisten. Das Speisezimmer und Cosimas Lila Salon wurden ebenso rekonstruiert wie die Bemalung des Treppenhauses. Und im großen Saal kann jener prächtige Flügel bewundert werden, der Wagner anlässlich der Eröffnung der ersten Bayreuther Festspiele 1876 vom New Yorker Klavierbauer Steinway & Sons geschenkt worden war. In der Dauerausstellung im Untergeschoss des Neubaus wird die Aufführungsgeschichte der Bayreuther Festspiele thematisiert.
In der darüber liegenden Sonderaustellung geht es aktuell um die Geschichte von Haus Wahnfried. Erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich ist auch das Erdgeschoss des von Wagners Sohn Siegfried im Jahr 1894 erbauten Wohnhauses. Das nach ihm benannte Nebengebäude wurde in den 30er Jahren von seiner Frau Winifred umgebaut und erweitert. In den in ihrem Originalzustand erhaltenen Räumen werden nun die Ideologie- und die schwierige Rezeptionsgeschichte Wagners dargestellt.

Die komplett verglasten Fronten geben den Blick frei auf Haus Wahnfried und den Wahnfried-Garten.

Projekt I Richard Wagner Museum, Bayreuth; Architekt I Staab Architekten GmbH, Berlin; GROHE Produkte I Rapid SL für WC und Urinal, WC Abdeckplatte Skate, Urinal Infrarot-Elektronik Tectron

1 Haus Wahnfried
2 Siegfried-Wagner-Haus
3 Neubau
4 Foyer/Museumsshop
5 Sonderausstellung
6 Dauerausstellung
7 Verwaltung
8 Café

"Der neue Erweiterungsbau an der Westseite des Grundstücks bildet über einen Anbau an das bestehende Gärtnerhaus ein Pendant zu dem gegenüber liegenden Siegfriedhaus. Durch diese Anordnung wird nicht nur die historische Symmetrie der Anlage unterstützt, der Abbruch des Verbindungsbaus zwischen Siegfriedhaus und Haus Wahnfried stärkt auch die Grundidee der Anlage mit der solitären Stellung des Hauses Wahnfried."

Professor Volker Staab, Staab Architekten GmbH, Berlin

 

4. SCHLOSS BIESDORF, BERLIN

Von der Fabrikantenvilla zur Schlossgalerie: Im Berliner Ortsteil Biesdorf gelang dem Büro Mara Pinardi Architekten und der PMS AG – Architekten und Ingenieure die originalgetreue Wiederherstellung des seit 1979 denkmalgeschützten, spätklassizistischen Schloss Biesdorf. Sein markantes Aussehen mit den scharfkantigen, klassischen Profilen und antikisierenden Ornamenten verdankt das 1867 bis 1868 erbaute Schloss den Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden.

Zukunft "Bilderschloss" und Veranstaltungsort

Seit dem Jahr 2000 setzten sich engagierte Bürgerinitiativen wie die „Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte Schloss Biesdorf e.V.“ für den Wiederaufbau ein. Über ein Jahr brauchte es, bis die historische Bausubstanz unter Führung der Architektin Pinardi und der Firma PMS AG gesichert war. Die Fundstücke, die dabei ans Tageslicht kamen, dokumentieren die Zeitreise der unterschiedlichen Nutzungen. Nach dem Richtfest im Dezember 2014 folgte der denkmalgerechte Wiederaufbau. Ohne die ursprünglichen Grundrisse, ohne konkrete Höhenangaben, nur anhand alter Fotografien sollten das historische Obergeschoss und das Dach und damit mehr als die Hälfte des gesamten Gebäudevolumens originalgetreu wiederhergestellt werden – eine große Herausforderung für die Planer. Doch dank ihrer weitreichenden Erfahrungen beim denkmal-gerechten Sanieren und Bauen konnten Pinardi Architekten die ursprüngliche Gebäudekubatur wiederherstellen.

Auch im Inneren gelang die Rekonstruktion der alten Grundrisse. Für die zukünftige Nutzung als „Bilderschloss“ und Veranstaltungsort waren in der Villa, die einst Berlins berühmtestem Großindustriellen und Erfinder Werner von Siemens gehörte, einige Änderungen und Ergänzungen notwendig, die sämtlich mit den vorhanden Strukturen realisiert wurden. Rund 200 Gemälde bekannter DDR-Künstler sollen ab Herbst 2016 hier ausgestellt werden. Mit der unter dem Dach entstandenen Medienwerkstatt sind die besten Voraussetzungen geschaffen, um im Schloss Biesdorf neben bildender Kunst auch Literatur und Lesungen, Musik und Tanz sowie Seminare und Diskussionen zu erleben.

Neuer alter Anziehungspunkt am Rand von Marzahn: Der spätklassizistische Adelsbau ist wiederhergestellt.

Projekt I Schloss Biesdorf, Berlin; Bauherr I Bezirksamt Marzahn – Hellersdorfvon Berlin; Architekt I Pinardi Architekten BDA in Bietergemeinschaft mit PMS AG – Architekten und Ingenieure, Berlin; Bauzeit I 2012 – 2015; GROHE Produkte I WT Euroeco CT, Skate Edelstahl